Montag, 7. Oktober 2013

Murnau - Kandinsky entwirft + Münter stickt

Überrascht haben wir in der Auslage der Kataloge und Postkarten im Münterhaus dieses Büchlein, herausgegeben von der Gabriele Münter- und Johannes Eichner Stiftung,  gefunden. Der kleine Katalog bildet die Perlenstickereien und Textilarbeiten aus dem Nachlass Gabriele Münters ab.

Eine Ausstellung dazu gab es 2011/2012.




Zwei spazierende Damen im Reifrock mit Hund, 1905
Schwarzes Handtäschchen, Perlenstickerei
von Gabriele Münter nach einem Entwurf von
Wassily Kandinsky gestickt



Textilkunst von Kandinsky und Münter in Murnau
Eine Tasche von Kandinsky
ein Artikel in ARTNET von
Ute Strimmer am 24. August 2011

"Wassily Kandinsky, der geistige Urheber der Idee des Blauen Reiters, war 1896 als Dreißigjähriger aus Moskau nach München gekommen, um sich der Malerei zu widmen. Die Isar-Metropole galt als Traumstadt für die originellsten Köpfe und Begabungen aus aller Welt. 
Aus Prag, Wien, Paris und sogar aus Amerika strömten junge Maler, Schriftsteller und Journalisten in die königliche Residenzstadt. 
Kissenbezug: Paar im Park, vermutlich 1903/04
von Gabriele Münter nach einem Entwurf von
Wassily Kandinsky gestickt
Und so sprach der Künstler begeistert von „München, der Märchenstadt.“ Gabriele Münter, eine gebürtige Berlinerin, war hier seit 1902 seine Schülerin in der Malschule „Phalanx“ – und wurde prompt seine Geliebte. Bis zum Ersten Weltkrieg waren die beiden eng miteinander verbunden, selbst wenn Kandinsky anfangs noch verheiratet war. Lange Zeit hoffte Gabriele Münter, Kandinsky würde das ihr gegebene Eheversprechen eines Tages auch einlösen. Doch dazu kam es nicht.
Als russischer Staatsbürger musste er nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges Deutschland fluchtartig verlassen. 
Zurück in der Heimat heiratete er die wesentlich jüngere Nina von Andreewsky. 1922 lehrte er dann am Bauhaus in Weimar. Seine Bilder, Skizzen, Bücher, Studien und Möbel, die sich noch im gemeinsamen Murnauer Domizil befanden, übereignete Kandinsky als letzten Gruß seiner langjährigen Münchner Partnerin. Über die wechselhafte Beziehung beider Genies ist viel geschrieben worden, warum die Beziehung zu Münter zerbrach, ist bis heute nicht recht geklärt.

Wandbehang/Kissenbezug: Apfelbaum mit Sternschnuppe
um 1903/04
von Gabriele Münter nach einem Entwurf von
Wassily Kandinsky gestickt


In der Phase der ersten Verliebtheit jedoch entstanden entzückende, kleine perlenbestickte Taschen, Kleider und Wandbehänge – von Kandinsky entworfen und von Münter umgesetzt. Diese zeigt erstmals die Ausstellung „Perlenstickereien und Textilarbeiten“ im Murnauer Münter-Haus. Die Textilarbeiten stehen für das Jugendstil-Konzept des Gesamtkunstwerks der Künstler und die Suche nach neuen künstlerischen Ausdruckformen. Allerdings machen sie auch die damals traditionelle Rollenverteilung für textile Handarbeit deutlich: 

Nähtäschchen: Dame im Reifrock, 1905
von Gabriele Münter nach einem Entwurf von
Wassily Kandinsky gestickt
Der Mann entwirft, die Frau führt aus. Kandinsky skizzierte für Münter Reformkleider, die sie selber dann nähte – und auch trug. "  ....

"Überhaupt staffierte der Künstler seine Freundin mit Vorliebe aus: Du „weißt, wie ich gerne habe, wenn du hübsche kleidsame Sachen hast!“. Und sie wiederum war begeistert von seinen Arbeiten: „Wenn ich Zeit fände dazu, möchte ich mir einen Perlentasche sticken nach Entwurf von dir – dunkle Farben auf weiß vielleicht.“

Graues Handtäschchen
Pfau in einem Medaillon von stilisierten Blumen umrandet,
1911/13
von Gabriele Münter nach eigenem Entwurf gestickt







Auf ihrer gemeinsamen Tunis-Reise Ende 1904 bis 1905 verarbeitete die Künstlerin schließlich Stoffe und Glasperlen nach Entwürfen Kandinskys. Das Ergebnis präsentierte sie stolz ihrem Lebensgefährten, der es fotografisch festhielt. Den Wandbehang mit den Wolgaschiffen stellte er neben sechs weiteren Handtäschchen 1906 im Pariser Salon d’Automne aus. Seine textilen Bildfindungen zeigen gerne Damen im Reifrock, orientieren sich an den Ornamenten des Jugendstils und lassen Elemente der russischen Volkskunst einfließen. Eine Nähe zu den zeitgleich entstandenen Bildern Kandinskys in Tempera ist unübersehbar.




Schwarzes Handtäschchen: Wolfsmilch, 1919
Von Gabriele Münter nach eigenem Entwurf in Dänemark gestickt



Wandbehang: Wolgaschiffe, 1905
von Gabriele Münter nach einem Entwurf von
Wassily Kandinsky gestickt


Wandbehang: Braune stilisierte Pflanzen auf blauem Hintergrund, um 1913
vermutlich von Gabriele Münter gestickt

Die textilen Arbeiten von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky bilden eine sehr kleine Werkgruppe und sind ausschließlich im Nachlass der Künstlerin in der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung erhalten. Vergleichbare Arbeiten auf dem Kunstmarkt sind nicht zu finden. Nur einige sehr wenige großformatige Wandbehänge von Wassily Kandinsky – posthum gefertigt nach Entwürfen aus seiner Weimarer Bauhaus-Zeit – kursieren auf dem französischen Markt."


Das war nun das letzte Kapitel des Reiseberichtes.











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